Homestay und Arbeiten auf einer Reisfarm
Ankunft in Itoigawa. Als ich aus dem Zug Shinkansen stieg war ich die einzige. Kein Mensch weit und breit. Eigentlich sollte ich abgeholt werden. Niemand war da. Der Bahnhof ist sehr klein. Keine Tourist Information.
Es gab ein kleines Büro – Art Information für Einheimische. Es wurde mir sehr geholfen von der Dame. Wenn auch ohne Englisch und mit japanisch-Wörter suchen sowie Handy Gebrauch. Meine Landlady hat eine Stunde früher gewartet. Missverständnis. Mit Taxi ging dann alles sehr schnell. Es ist ca. 20 Minuten vom Bahnhof entfernt und ich dachte mir, wo komme ich da hin. Alles sehr ländlich und abgelegen – Nur Berge und Reisfelder. Was mache ich da? (Liegt im UNESCO Global Geopark – ist eine geologische Stätte oder Landschaft von internationaler geowissenschaftlicher Bedeutung nach Ansicht der UNESCO)
Itoigawa hat 40’000 Einwohner, liegt im äussersten Südwesten und grenzt im Norden ans japanische Meer. Keiko-san meine Landlady ist sehr angenehm, spricht englisch – ist Englischlehrerin und sehr kultiviert. Hat längere Zeit in den USA gelebt. Eine exzellente Köchin. Es ist das erste mal, dass ich die richtige japanische Küche privat kennen lernen durfte. Sie konnte mir viele Fragen über Japan beantworten. Kulturell, warum man alles tausendmal einpackt, über Recycling etc.

Keiko-san

Essen bei Keiko-san. Herrlicher Tofu der bei einem Bauer in der Nähe hergestellt wird.

Mein derzeitiges zu Hause.
Erster Tag auf der Reisfarm, Ich wohne bei Keiko-san und Ehemann Yutaka-san, arbeite jedoch auf der Reisfarm. Sie begleitet mich am ersten Tag. Ich fahre mit dem Fahrrad hinter ihrem Auto her. Sie hat mich vorgestellt. Ich war ja angesagt. Seikouen Farm hat 5 Festangestellte und alle anderen sind Teilzeitangestellte.
Zuerst Morgenbesprechung 07:45 – alle standen im Kreis. Es waren 14 Personen. Was ist zu tun heute? Dann wurde eine Art Motivationsgebet gelesen und am Schluss zeigen alle mit der rechten Hand – Zeigefinger in die Mitte und wiederholen einen Satz dreimal. Erster Tag, wir begrüssen Rita-san, oder viel Wasser trinken heute – es ist heiss…
Natürlich war ich am ersten Tag völlig falsch angezogen. Man geht verhüllt. Ich bekam Armstulpen und Gummistiefel. Und nun gings los. Zuerst werden die „Tablets“ mit Reispflanzen aufgeladen. Dann fährt man zu den Reisfeldern. Die Pflanzungsmaschine steht schon bereit und wartet beladen zu werden.

Reispflanzen Tablets

Reispflanzmaschine

Da die Pflanzmaschine am Anfang und Ende nicht fahren kann muss man die Reissetzlinge von Hand stecken. Für mich eine ungewohnte, sehr mühsame Arbeit, da ich immer stecken blieb im Lehmboden und nicht wusste ich ich mich fortbewegen soll. Es gibt sicher eine Technik oder eben Übungssache. Natürlich blieb ich stecken und bin in den Morast-Lehmboden gefallen. Alle habe sich köstlich amüsiert. 🙂 Sonnenbrand war an den Oberarmen nicht zu vermeiden. Es war heiss – 28 grad.

Falsche Kleidung. Die Setzlinge bleiben sofort stecken in dem Lehmboden nur um vorwärts zu kommen… ich war sicher nicht die ideale Reispflanzerin.

Sehr anstrengende Arbeit – doch die Frauen stampfen durch das Feld wie nichts.

Die Bürste im Korb ist um die Tablets nach der Setzung im Kanal zu reinigen. Kanal ist für die Bewässerung des Reisfeldes. Komme darauf zurück.
Tag zwei. Ich durfte Bohnen stecken. Die Farm hat noch Nebenerwerb wie Gemüse, Melonen und Trauben. Sowie neu, werden Feigenbäume gezüchtet und gepflanzt.

Seikouen Farm hat eine Webseite.

Zuerst Erde in die Löcher, dann Bohnen stecken und Erde darüber. Die Tablets kommen unter eine Plastikplane gut verschlossen ohne Wasser für drei Tag. Kern spriesst und dann werden sie gewässert. Bohnenstecklinge. Edamame (Bohnen am Zweig) Sojabohne gekocht wird gerne in Izakayas (Kneipen) zum Bier serviert.

Eine Mitarbeiterin – nur Japanisch. Ich habe erfahren, dass sie ein „Töfffän“ ist und selber eine Riesenmaschine fährt. Sie ist 58 lebt noch bei ihrer Mutter und liebt Camping. In den Bergen und am Meer. Ich muss noch erwähnen, dass ich 4 Stunden arbeite am Morgen. Nachmittag frei. 😉

Erde einfüllen in die Gitter. Dann werden Löcher gestampft und die Bohnen reingesteckt.

Tag drei war mit Reispflanzentablets schneiden angesagt. Damit die Reispflanzen schön gleichmässig sind um in die Maschine zu passen müssen sie angeglichen werden.

Treibhaus mit Reispflanzen

Schneiden mit Cutmesser

Gerade schneiden – So passt es in die Maschine und die Reispflanzensteckung ist regelmässig.

Pause auch das gehört dazu. Chefin links und Mitarbeiterin.
Tag vier frei, da ich mit Keiko-san zum Kochkurs gefahren bin.
Tag fünf putzen – Samstag. Sonntag ist auch auf der Farm Feiertag. Das Ende der Reispflanzung naht.

Diese Bodenplanen müssen getrocknet und gereinigt werden nachdem die Reispflanzen aus dem Treibhaus gekommen sind.

Riesige Dinger die irgendwie aufgehängt werden müssen und nach dem Trocken zusammengefaltet werden.

Samstags-Job war auch noch die Tablets zu reinigen mit einer Höllenmaschine. Man schiebt das Tablet rein und die Maschine putzt. Wässerige Angelegenheit und lärmig.
Reissetzlinge pflanzen ging natürlich weiter – Hochsaison. Nur ich war nicht mehr involviert. (Übung fehlt :-)) Man wollte mir alles zeigen auf der Farm was so anfällt. Es war spannend und die ganze Mitarbeiter Crew war ausserordentlich hilfsbereit und freundlich. Reissetzlinge setzen ist ja auch sehr anstrengend und immer im Wasser stehen. Hut ab für alle diese Frauen.
Schade, dass mein Japanisch so kein Japanisch ist. Ich hätte noch viele Fragen gehabt und nur über Translation Mobile kann man auch nicht alles erfragen. Die Übersetzungen sind teilweise zum schreien! Keiko-san hat mir einiges erklärt was mir zu Hilfe kam für diesen Teil der Japan Reise.
Wie wäre es im Herbst zurück zukommen und zu sehen wie die Reisähren zum Ernten und Schneiden bereit sind?
Für die Familie war es nicht einfach jemand aufzunehmen und alles zu erklären. (keiner spricht englisch) Ein Schweizer der in Yokohama lebt hat das alles organisiert. Er liebt diese Gegend und so wie ich verstanden habe hat er sogar ein altes Farmhaus in den Bergen Itoigawa gekauft. Sehr abgelegen. Es war das erste mal für die Farmfamilie eine Volontärin aufzunehmen. (normalerweise nimmt man keine Volontäre über 50!) Es ist kein Ferienjob. Es muss gearbeitet werden. Hat mir sehr gefallen. 4 Stunden am Tag waren genug – ich habe viel gelernt und staune nur.
Es gibt mehrere Reisfarmen die Volontäre aufnehmen wenn Reispflanzung Saison ist. Es fehlt immer an Personal.

Ich verabschiede mich ganz herzlich – es war schön mit euch. Vielen Dank, dass ich dabei sein durfte.
Übrigens gibt es auf dem Berg ein Onsen mit Hotel. Es gab mehrere die sind jedoch geschlossen mangels Gäste und Personal und die drei Jahre geschlossenes Land hat auch dazu beigetragen. Die Landflucht ist sehr gross. Junge Leute wollen diese Arbeit mit Reispflanzen nicht mehr auf sich nehmen. Es gibt ein Agriculture Project, dass junge Familien anwirbt um die Landschaften nicht veröden zu lassen und auch für den Gemüseanbau etc. Haus wird zur Verfügung gestellt für ein Jahr. Gefällt oder gefällt nicht.
Haiku
Bizarre Bergwelt
Im rötlichen Sonnenlicht
Wiederschein im See.
(im Reisfeld) meine Abänderung.
Hoi Rita-san
Dein Bericht zum Reisabenteur ist 1a!
Musste viel lachen….
Gönn Dir doch jetzt Wellness , da meldet sich doch sicher der Rücken usw.!?
Machs guät
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Ganz toller Beitrag! Fotos und Erklärungen zum Reispflanzen, zu den Menschen sehr eindrucksvoll.
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Bravo Rita! Sehr beeindruckende Reportage und tolle Bilder. Du bist eine richtige (Reis-)bäuerin geworden und hast tüchtig krampfet. Zuhause kannst du dich dann mit diesen Erfahrungen gleich bei „Bauer ledig sucht“ melden….. (nicht zu ernst zu nehmen). Herzliche Grüsse Elisabeth
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